Katrin Salentins analoge Collagen Sadoma, Argwan und Allegia (2024) zeigen pralle, rot bemalte Lippen, lackierte Nägel, schneeweiße Zähne und faltenlose Haut. Die Bilder hat die Künstlerin aus aktuellen Modekatalogen ausgeschnitten. Im Detail erscheinen die Fragmente makellos. Doch sind sie vom Ursprungskörper abgetrennt und stark verfremdet zusammengesetzt, sodass kein intaktes Körperbild mehr verbleibt. Vielmehr bekommen wir ein amorphes, picasso-eskes Gemisch aus Haut, Fleisch, Augen, Zähnen und Haaren zu sehen, das absurde, komische Züge innehat und mitunter ins Monströse driftet. In ihren Collagen überspitzt Katrin Salentin die unrealistisch idealisierten Körperbilder von Frauen, die uns in der Modewelt und in Social Media begegnen. Voreingestellte Filter, Bildbearbeitungsprogramme ermöglichen es, das eigene Aussehen bis zur
Unkenntlichkeit zu optimieren. Das hat Auswirkungen auf die eigene Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz und damit als letzte Konsequenz auch auf das reale Leben. Durch kosmetische Filler und Botox versuchen bereits sehr junge Menschen, sich dem digitalen Idealbild von Schönheit anzupassen. Die Werke von Katrin Salentin stellen genau dieses Problem zur Disposition: Wo verbleibt hinter der Maske das wahre Ich, der Charme des Unperfekten, das uns als Individuen ausmacht?
Dr. Sarah Frost
Auszug aus der Rede zu „THE NEW YOU-WE-ME“ im Verein Berliner Künstler, Berlin, 14.03.2025